BdZ warnt energisch vor Anhebung der Mindeststeuer
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Die Tabak Zeitung // Auch zu diesem Jahreswechsel hat DTZ wichtige Verbände der Tabak- und Nikotinwirtschaft dazu befragt, wie sie das neue Jahr einschätzen. Die Gastbeiträge druckt die Redaktion in diesen Wochen. Im sechsten Teil der Reihe äußert sich Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des Verbandes der Zigarrenindustrie (BdZ).
„Als Branchenverband und als Zigarrenindustrie sind wir es gewohnt, uns in allen Märkten immer neuen Herausforderungen zu stellen. Solange es sich um Herausforderungen durch den Wettbewerb beziehungsweise Änderung im Konsumentenverhalten handelt, wird die Branche immer wieder versuchen Antworten zu finden. Schwieriger sind die Herausforderungen auf regulatorischer Seite, besonders, wenn diese nicht evidenzbasiert sind und nicht wirklich dem Verbraucher-beziehungsweise Jugendschutz dienen, sondern auf die Vernichtung der ganzen Tabakbranche und der mittelständischen Zigarrenindustrie abzielen.
Im zurückliegenden Jahr 2025 können wir einen stärkeren Rückgang beim Verkauf von Zigarren feststellen. Wir gehen nach internen Statistiken aber davon aus, dass dieser nicht so negativ ausfällt, wie die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Hier spielt sicherlich auch die starke Zurückhaltung bei Konsumenten, verursacht durch die Wirtschaftskrise in Deutschland, eine entscheidende Rolle. Auf einen Genussartikel wie Zigarren kann man in „schwierigen Zeiten“ eher verzichten. Der BdZ ist aber zuversichtlich, dass sich die wirtschaftliche Situation und das Kaufverhalten 2026 wieder leicht verbessern werden und somit auch Zigarren und Zigarillos als Genussartikel in der Nische eine bedeutende Rolle für den Aficionado und den Fachhandel spielen werden.
Mit großer Sorge blicken der Bundesverband der Zigarrenindustrie, der sich als Sprachrohr für Zigarren und Zigarillos aber auch für den Mittelstand in unserer Branche sieht, und seine 22 meist mittelständischen und familiengeführten Mitgliedsfirmen auf die regulatorischen Herausforderungen. Neben den länderspezifischen Regulierungen wird 2026 und wohl auch 2027 die Tabakregulierung in Brüssel eine wesentliche Rolle einnehmen. Nachdem die Zigarrenbranche gerade erst hohe Millionenbeträge in ein System der Rückverfolgbarkeit investiert hat, hat die Administration der EU-Kommission im Juli 2025 einen Entwurf für eine Überarbeitung der Tabaksteuerrichtlinie vorgestellt. Der BdZ unterstützt grundsätzlich eine Überarbeitung der Richtlinie, um diese den neuen Marktverhältnissen und die Mindeststeuer an die Inflation anzupassen. Mit vollkommenem Unverständnis nimmt die Branche allerdings die Vorschläge für Zigarren zur Kenntnis, welche eine Erhöhung der Mindeststeuer von aktuell zwölf auf dann 143 Euro – also eine Steigerung um 1093 Prozent – vorsieht. Eine weitere Anpassung käme durch die Einführung der Kaufkraftparität zu Stande, so dass die Mindeststeuer in Deutschland wahrscheinlich über 150 Euro betragen würde. Dies hätte in manchen Segmenten Preissteigerungen von bis zu 70 Prozent zur Folge. Der BdZ empfiehlt stattdessen wettbewerbsverträgliche Regelungen in der Tabaksteuerrichtlinie.
Nach jetzigen Plänen ist auch davon auszugehen, dass 2026 auch der Entwurf für eine Tabakproduktrichtlinie – die TPD 3 – in Brüssel vorgestellt wird. Auch hier ist von weiteren Verschärfungen auszugehen.
Der BdZ zeigt immer wieder auf, dass es sich bei Zigarren um ein reines Genuss- und Kulturgut handelt. Es gibt keine Substitution mit anderen Tabakprodukten. Somit ergibt sich für die Regulierung von Zigarren eine besondere produktspezifische und evidenzbasierte Ausgangslage, die eine andere Regulierung rechtfertigt.
Der BdZ hat seine Position als Verband in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausbauen. Mit 22 Mitgliedsunternehmen handelt es sich um den mitgliederstärksten Herstellerverband im Tabak.
Der BdZ sieht die Rückbesinnung auf den Genuss als beste Option der sogenannten Harm Reduction in der Tabakindustrie. Produkte die nur gelegentlich und ganz bewusst als Genuss geraucht werden sind der beste Ansatz für eine Risikoreduzierung.
