„Deutschland hat Priorität“: Elfbar über Regulierungen und Chancen

26. Februar 2026

Die Tabak Zeitung // Die deutsche E-Zigarettenbranche steht vor einem regulatorischen Umbruch: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft plant ein weitreichendes Verbot von Menthol und weiteren Inhaltsstoffen. Für die Branche käme das einem „Aromenverbot durch die Hintertür“ gleich – besonders bedroht wären die beliebten sogenannten „Ice“-Varianten. Im Interview mit DTZ spricht Jacques Li, Vertreter des Branchenriesen Elfbar, über die Widerstandsfähigkeit von Forschung und Entwicklung, die wachsende Bedrohung durch den Schwarzmarkt und darüber, warum Steuererhöhungen ohne konsequente Durchsetzung ins Leere laufen.


Herr Li, das Bundesministerium plant, Menthol und zwölf weitere Inhaltsstoffe zu verbieten. In der Branche wird das als faktisches Aromenverbot wahrgenommen. Inwiefern würde der Schritt das Kernsortiment von Elfbar in Deutschland treffen, besonders Ihre „Ice“-Varianten?


Jacques Li: Die Auswirkungen betreffen die gesamte Branche und nicht nur eine einzelne Marke. Was Elfbar betrifft, respektieren wir die Gesetzgebung, müssten unser Produktangebot jedoch grundlegend anpassen, um die Vorgaben einzuhalten. Gleichzeitig sollte die Innovationskraft unserer Branche nicht unterschätzt werden. Die E-Zigarettenindustrie ist jung und lernt kontinuierlich dazu. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Forschungs- und Entwicklungsteams alternative Inhaltsstoffe finden werden – auch wenn es Zeit braucht, das gewohnte Geschmackserlebnis ohne die verbotenen Substanzen wiederherzustellen.

Kritiker warnen, dass ein Verbot von Kühlmitteln und Aromen Konsumenten direkt in die Hände illegaler Händler treiben könnte. Wie bewerten Sie das Risiko, dass unregulierte oder gefälschte Erzeugnisse den Markt überschwemmen?


Li: Das Risiko ist sehr real. Ein solches Verbot würde gesetzestreue Marken und Produkte unverhältnismäßig stark treffen. Während wir die gesetzlichen Vorgaben strikt einhalten, nutzt der Schwarzmarkt genau diese Lücken aus. Ein Verbot lässt illegale Strukturen weitgehend unangetastet – ja, es stärkt sie sogar, da die Nachfrage nach den verbotenen Inhaltsstoffen weiter besteht. Wir beobachten bereits ein Wachstum des Schwarzmarkts in Deutschland.

Seit Beginn des Jahres ist die Liquid-Steuer in Deutschland auf 32 Cent pro Milliliter gestiegen, was die Verkaufspreise deutlich erhöht hat. Wie reagieren Sie auf die Preissensibilität der Verbraucher?


Li: Steuererhöhungen sind ein globaler Trend, den wir grundsätzlich unterstützen – allerdings unter zwei wichtigen Voraussetzungen. Erstens muss ein klarer Preisabstand zu konventionellen Zigaretten bestehen bleiben, damit der Anreiz zum Umstieg im Sinne der Schadensminimierung erhalten bleibt. Zweitens braucht es eine konsequente Durchsetzung. Akteure, die Steuern umgehen, müssen sanktioniert werden. Auf Unternehmensseite begegnen wir dem Kostendruck durch Skaleneffekte in der Produktion. Zudem arbeiten wir kontinuierlich daran, das Preis-Leistungs-Verhältnis zu optimieren, um den Verbrauchern trotz steigender Steuern attraktive Angebote machen zu können.

Die kommende Batterieverordnung wird Einweg-E-Zigaretten mit fest verbauten Batterien faktisch verbieten. Wie bereitet sich Elfbar auf die Umweltanforderungen vor?


Li: Tatsächlich bestehen bereits rund 70 Prozent unserer Lieferungen nach Deutschland aus nachfüllbaren und wiederaufladbaren Systemen – sogenannten Pod-Systemen. Wir arbeiten eng mit deutschen Dienstleistern zusammen, um die Rücknahme und das Recycling gebrauchter Systeme, Pods und Batterien zu beschleunigen. Unsere neuen Produktgenerationen sind so konzipiert, dass Batterien leicht demontiert und fachgerecht recycelt werden können. Wir sind auf die neue Batterieverordnung vollständig vorbereitet.

Welche Rolle wird der deutsche Markt künftig in Ihrer globalen Strategie spielen?


Li: Deutschland hat für unsere globale Expansion höchste Priorität. Es ist ein Markt, der den Wandel weg von Einwegartikeln hin zu nachhaltigeren Systemen vorantreibt. Gleichzeitig müssen wir zentrale Themen vorrangig angehen: erstens die Verhinderung eines pauschalen Inhaltsstoffverbots, zweitens einen konsequenten Jugendschutz und drittens die Bekämpfung des Schwarzmarkts. Nur wenn der eingedämmt wird, kann eine sinnvolle Regulierung des Gesamtmarkts funktionieren. Ein pauschales Verbot, während der Staat gleichzeitig Steuereinnahmen an illegale Händler verliert, ist schlicht nicht wirksam.