Belasten Raucher den Staat? Tabakgegner fordern höhere Steuern
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Die Tabak Zeitung // In Brüssel werden immer höhere Tabaksteuern diskutiert. Klar, dass die Branche das nicht hinnehmen möchte. „Die Welt“ hat jetzt eine zehn Jahre alte Studie hervorgekramt, die in der deutschen Öffentlichkeit nicht allzu bekannt sein dürfte.
In „Die externen Kosten des Rauchens in Deutschland“ hat Professor Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie schon 2015 Erstaunliches errechnet. Während Tabakgegner unermüdlich darauf hinweisen, dass Krankheitskosten, Arbeitszeitausfälle und andere Ausgaben die Einnahmen aus der Tabaksteuer deutlich überwögen. So schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in seinem „Tabakatlas 2025“: „Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten, die auf das Rauchen zurückgehen, übersteigen die Einnahmen durch die Tabaksteuer bei Weitem.“ Die Heidelberger haben dafür die Einnahmen aus der Tabaksteuer (15,6 Milliarden Euro) ins Verhältnis zu den von ihnen berechneten Kosten (rund 98 Milliarden Euro) gesetzt.
Wigger kommt jedoch auf ganz andere Beträge. Er berücksichtigt auch Renten und Pensionen. Das Argument: Raucher sterben früher. In ihrer verkürzten Lebensspanne beziehen sie geringere Ruhegelder, müssen in der Regel auch kürzer ärztlich behandelt werden und entlasten – so drastisch das klingen mag – Versicherungen und Staat.
Insgesamt kommt Wigger – vereinfacht ausgedrückt – für die 2011 lebenden Raucher auf Kosten in Höhe von 157,6 Milliarden Euro bis zu deren Lebensende. Diesen Kosten stehen Ersparnisse an Ruhegeldern von fast 194 Milliarden Euro gegenüber. Schon an der Stelle ergibt sich demnach ein für die öffentliche Hand positives Ergebnis von 36,4 Milliarden Euro. Hinzu kommen die kumulierten Tabaksteuereinnahmen für die Restlebenszeit der Raucher, die Wigger mit insgesamt 375,7 Milliarden Euro kalkuliert. Kein Wunder also, dass sein Fazit lautet: „Die vorliegenden Berechnungen haben ergeben, dass die aggregierten externen Nettokosten des Rauchens negativ sind.“ Der Wissenschaftler weiter: Für die Tabaksteuer dürfte auch heute noch eine Beobachtung gelten, die Adam Smith bereits vor rund 250 Jahren gemacht hat: „Sugar, rum, and tobacco are commodities which are nowhere necessaries of life, which are become objects of almost universal consumption, and which are therefore extremely proper subjects of taxation.“ („Zucker, Rum und Tabak sind Güter, die nirgendwo lebensnotwendig sind, die zu Gegenständen fast universellen Konsums geworden sind und die daher äußerst geeignete Objekte der Besteuerung sind.“)
Damit ist die Diskussion jedoch nicht beendet. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) weist darauf hin, dass „der Preis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten bis 2028 auf etwa 12,50 Euro steigen wird, falls der Kommissionsvorschlag zur geltenden EU-Richtlinie wird“. 2024 habe der Staat mit Tabak und Nikotin Steuereinnahmen von 19,8 Milliarden Euro erzielt. Tabakgegner betonen dagegen, dass immer mehr lebensverlängernde und teure Behandlungen verfügbar seien und genehmigt würden. Das wiederum steigere die Kosten weiter. Deutlich höhere Steuern seien also gerechtfertigt.
