Herzblut und Bescheidenheit
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Fachhändlerin Julia Gröning hat sich für kompletten Umbau ihres Ladens entschieden / DTZ besucht vorher noch einmal das „alte“ Geschäft
BERLIN // Es gibt sie noch – und das ist einfach großartig! Die guten, etablierten Tabakwaren-Fachgeschäfte, die mit Herzblut und Kundenorientierung geführt werden, sind nach wie vor lebendig. Diese Fachhändler tragen Familientradition im Blut, fast schon mit dem Tabakwaren-Fachhändler-Gen im Erbgut. Ein Paradebeispiel dafür ist Julia Gröning, geborene Durek, aus Berlin. Sie investiert jetzt in einen komplett neuen Ladenbau.
Gemeinsam mit ihrer Familie und einem engagierten Team betreibt Julia Gröning gleich vier Tabakfachgeschäfte in der Hauptstadt. Eines davon liegt in der Kantstraße 56 im charmanten Stadtteil Charlottenburg. Wer das Geschäft betritt, fühlt sich sofort in eine gemütliche, urige Welt mit Tabakgeruch versetzt, vielleicht an die eigene Kindheit erinnert. Zwar ist es schon in die Jahre gekommen, was man den Möbeln durchaus ansieht doch genau das macht den Charme aus – und deshalb wird es gerade liebevoll renoviert.
Doch zurück zum Anfang: Julia Gröning wuchs in einer echten Fachhändler-Familie auf. Ihre Eltern führten in Berlin verschiedene Geschäfte für Tabakprodukte. Schon als Kind verbrachte sie viel Zeit dort – eine Erfahrung, die sie prägte. Doch von Anfang an war klar: Sie wollte nicht nur in den Fußstapfen ihrer Eltern wandeln. „In meinem Leben gab es viele Zufälle“, erzählt die sympathische Berlinerin.
Ursprünglich wollte sie Psychotherapeutin werden, fand aber keine passende Ausbildungsstelle. Stattdessen machte sie eine andere Lehre. Doch schon während der Ausbildung war ihr klar: Dieser Beruf ist nichts für sie. Nach der abgeschlossenen Lehre half sie daher vorübergehend im Familiengeschäft am Hauptbahnhof.
Dann kam der nächste Zufall: Ihre Mutter schlug vor, sich einem neuen Geschäft am Alexanderplatz zu widmen, weil beide dort eigentlich einer zu viel war. Plötzlich war Gröning auf sich allein gestellt – ins kalte Wasser geworfen, aber zum Glück mit einem starken Team an ihrer Seite. „Die haben mich gar nicht gebraucht“, sagt sie bescheiden.
Aber so begann ihre Erfolgsgeschichte: Ihr erstes eigenes Geschäft am Hauptbahnhof betrieb sie neun Jahre lang. Hier standen Schnelldreher wie Zigaretten und Tabakwaren im Mittelpunkt. Doch Julia Gröning wollte mehr: „Ich wollte kein Zigarettenladen, sondern ein echtes Fachgeschäft.“ Dank der guten Kontakte ihres Vaters zu Berliner Berufskollegen über die Kegelgruppe konnte sie das Fachgeschäft Rhode übernehmen, als dessen Inhaber in den Ruhestand ging – da war Gröning gerade mal 30 Jahre jung.
Anfangs führte sie es mit zwei Mitarbeitern, doch die Veränderungen ließen nicht lange auf sich warten. Heute beschäftigt sie insgesamt 21 Angestellte in den vier Durek-Geschäften. Das Fachgeschäft am Bahnhof wird von einem Filialleiter geführt, während sie selbst mit einem Team in der Kanstraße arbeitet.
Mit dem Tod ihres Vaters und dem Rückzug ihrer Mutter aus dem Tagesgeschäft ist die Familie Durek / Gröning noch enger zusammengewachsen. Julia führt die Geschäfte gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Christian, der ebenfalls im Unternehmen aktiv ist. Dessen Frau Loreen Durek kümmert sich vor allem um Personalfragen, Grönings Mann Julian um das Online-Geschäft. Das Team besteht aus langjährigen Mitarbeitern, die das Fachgeschäft mit Leidenschaft tragen.
Das Herzstück im Fachgeschäft „Kiwus … nur für Raucher“ (der Name des Gründers, bald umbenannt in „Tabakhaus Durek“) sind die Zigarren, gefolgt von Pfeifen und Pfeifentabak. Die dritte Säule bilden Schnelldreher wie Lotto und E-Zigaretten. Besonders die Pfeifen sind ein echter Renner: „Es gibt immer weniger Fachgeschäfte dafür, deshalb kommen die Pfeifenliebhaber sogar von weit her.“
Julia Gröning ist stolz auf ihre Auswahl und die treuen Stammkunden. Natürlich lässt sie auch Trends nicht außen vor: E-Zigaretten sind bei ihr gut vertreten, ebenso gefragt ist Cannabis-Zubehör – „In Berlin riecht es vielerorts grün“, sagt sie schmunzelnd. Sie glaubt jedoch, dass die Politik hier eher einen Schritt zurück macht, anstatt den Trend zu fördern.
Als Partner für den Umbau hat Julia Gröning die Ladenbaufirma Knoeppel aus Hagen engagiert, die seit 1956 auch Tabakläden konzipieren. Gemeinsam mit dessen Geschäftsführer Andreas Neumann hat die Berlinerin an einer Lösung gearbeitet, die sowohl schön als auch praktisch ist. „Es hat eine Weile gedauert, bis wir unsere Vorstellungen unter einen Hut bringen konnten, aber das Ergebnis ist genau das, was ich wollte: funktional, stilvoll und bezahlbar. Der Humidor wird deutlich vergrößert und jede Schublade und jeder Schrank ist durchdacht und hat genau seinen Nutzen.“
Sogar ihre so sehr erwünschte Reling, wie in alten Büchereien, steht nun mit auf dem Plan. Die 3,5 Meter hohen Räume sollen künftig optimal genutzt werden, die 45 Quadratmeter werden mit einer holz- und modern inspirierten Einrichtung gestaltet – inklusive einer weiß-roten Thekenfront, die an die anderen Durek-Geschäfte anlehnt.
Das Fachgeschäft Kiwus wird dann auch in Tabakhaus Durek umbenannt. Im September soll der Umbau beginnen, Ende Oktober abgeschlossen sein. „Die Einrichtung war sehr verlebt. Außerdem bekommt mein Fachgeschäft jetzt endlich meinen eigenen Stempel aufgedrückt“, sagt Gröning. Ob das Fass mit dem Pfeifentabak auch weiter die Räume beduften darf, ließ Julia Gröning erst einmal offen.
