Organisierte Kriminalität verändert ihre Strukturen
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Die Tabak Zeitung // Der illegale Zigarettenmarkt in Europa wächst weiter. Das zeigt die aktuelle „KPMG-Studie zum Konsum von illegalen Zigaretten und erhitztem Tabak sowie dem Anteil von Nikotinprodukten zum oralen Gebrauch in Europa 2025“. In den 38 untersuchten europäischen Ländern wurden im Untersuchungszeitraum rund 55,3 Milliarden illegale Zigaretten konsumiert. Den Staaten entgingen dadurch Steuereinnahmen in Höhe von rund 22,4 Milliarden Euro.
Deutschland gehört im europäischen Vergleich mit einem Anteil von 2,5 Prozent illegaler Zigaretten weiterhin nicht zu den Ländern mit den höchsten Schwarzmarktanteilen. Dennoch stieg die konsumierte Menge von 1,7 Milliarden auf 1,9 Milliarden Stück. Die daraus resultierenden Steuerausfälle beliefen sich auf rund 486 Millionen Euro – ein Anstieg um 85 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.
Der Anteil gefälschter Zigaretten lag 2025 bei 32 Prozent des illegalen Zigarettenmarkts. Das entspricht einem Plus von sechs Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, dem Vereinigten Königreich oder den Niederlanden bleibt der illegale Markt in Deutschland anteilig bislang deutlich kleiner. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch auch, dass illegale Strukturen hierzulande an Bedeutung gewinnen – besonders bei gefälschten Erzeugnisse. Deutschland ist absolut gesehen inzwischen der siebtgrößte Markt für illegale Zigaretten in Europa.
Europaweit zeigt sich ein klarer Trend: Deutliche steuerinduzierte Preisunterschiede zwischen einzelnen Märkten können grenzüberschreitende Ausweichbewegungen sowie illegale Handelsstrukturen begünstigen.
Die KPMG-Analyse zeigt außerdem, dass sich die Strukturen der organisierten Kriminalität verändern. Produktions- und Lieferketten werden zunehmend aufgeteilt, und illegale Fabriken entstehen verstärkt auch in westeuropäischen Ländern. Im vergangenen Jahr wurden europaweit mehr als 100 illegale Zigarettenfabriken entdeckt. Deutschland gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung als Transitland und teilweise auch als Produktionsstandort für illegale Tabakprodukte, die in andere EU-Staaten geliefert werden.
Frankreich bleibt das Land mit dem größten illegalen Zigarettenmarkt Europas. Dort liegt der Anteil illegaler Zigaretten bei 41,4 Prozent (20,5 Milliarden Stück). Allein auf Fälschungen entfallen fast 9,7 Milliarden Zigaretten. Das entspricht rund 19 Prozent des gesamten französischen Konsums. Frankreich verzeichnete 2025 zudem erneut den stärksten Anstieg beim illegalen Zigarettenkonsum in Europa.
Neben klassischen Zigaretten untersucht der KPMG-Bericht auch den Markt für Tabaksticks für Heat-Not-Burn-Geräte. Dabei zeigt sich: 34 Prozent der konsumierten Sticks wurden nicht in Deutschland versteuert. Das weist auf grenzüberschreitende Käufe sowie auf illegale Zuflüsse hin. Deutschland weist damit im Vergleich mit anderen europäischen Ländern einen der höchsten Anteile günstiger legaler Waren aus Nachbarländern sowie illegal eingeführter Artikel bei erhitztem Tabak auf.
In Italien hingegen, wo der Markt für erhitzten Tabak mehr als doppelt so groß ist wie in Deutschland, gibt es kaum Zuflüsse aus dem Ausland. Das kann als Hinweis darauf gesehen werden, dass eine deutlich differenzierte Besteuerung Ausweichbewegungen begrenzen kann.
Erstmals analysiert der Bericht auch den Konsum oraler Nikotinprodukte. In Deutschland sind laut Bericht 91,9 Prozent der konsumierten Erzeugnisse nicht verkehrsfähig. Darunter fallen hauptsächlich tabakfreie Nikotinbeutel (78 Prozent), Snus (12 Prozent) sowie nicht verkehrsfähiger Kautabak (2 Prozent). Für diese Warengruppe besteht in Deutschland keine regulär zugelassene Vertriebskategorie, im Gegensatz zu Kautabak (8 Prozent), der in Deutschland legal vertrieben werden darf.
Trotzdem sind die Erzeugnisse im Handel präsent. Laut einer Erhebung von Ipsos (Link) sind orale Nikotinartikel in nahezu jedem sechsten Geschäft in Deutschland erhältlich (15,8 Prozent). Rund ein Drittel der forensisch untersuchten Waren waren Fälschungen. Eine Untersuchung leerer Verpackungen im öffentlichen Raum zeigt: Es dominieren weiter Produkte mit schwedischer Kennzeichnung, hergestellt von einer Vielzahl unterschiedlicher Anbieter. Im Jahr 2025 entfielen 54,4 Prozent aller gefundenen Packungen auf diese Herkunft. Das entspricht einem Rückgang um 13,1 Prozentpunkte gegenüber 2024.
Gleichzeitig nahm der Anteil von Artikeln mit deutscher Kennzeichnung deutlich zu: 2025 lag er bereits bei 18,2 Prozent – ein Plus von 5,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Das ist bemerkenswert, da es regulatorisch keine entsprechende legale Produktkategorie gibt.
Fazit: Der aktuelle KPMG-Bericht zeigt: Der illegale Tabakmarkt bleibt ein europaweites Problem mit erheblichen finanziellen Folgen für die Staaten. Deutschland steht im europäischen Vergleich weiterhin relativ stabil da, ist jedoch zunehmend in internationale Handels- und Produktionsstrukturen eingebunden. Eine ausgewogene Steuer- und Regulierungspolitik, die unerwünschte Ausweichbewegungen begrenzt, bleibt deshalb ein zentraler Faktor im Kampf gegen den illegalen Handel.
