„Prohibition wirkt nicht“: Netzwerk legt neue Studie vor
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Die Tabak Zeitung // Das Netzwerk „Prohibition does not work“ (PDNW) hat eine aktuelle Untersuchung vorgestellt. Studienleiter Tim Andrews präsentierte den Report „Nicotine Pouch Regulation in Germany – Report V3“.
In der Studie heißt es, die gegenwärtige, in Deutschland irregeleitete Regulatorik könne im europäischen Vergleich nicht mithalten und stärke den illegalen Markt und den illegalen Handel. Während andere EU-Länder risikodifferenzierte Regeln etabliert hätten, die Verbraucher schützten, den Jugendschutz durchsetzten und zugleich legale, kontrollierte Kanäle stärkten, erzeuge das deutsche Vorgehen vor allem Widersprüche – mit schweren Nebenwirkungen auf Markt, Vollzug und Glaubwürdigkeit der Gesundheitspolitik.
„Prohibition ist kein Steuerungsinstrument, sondern eine Verdrängungsmaschine“, sagt Andrews. „Wir sehen, wie Nachfrage aus dem sichtbaren in den unkontrollierten Bereich rutscht – genau dort, wo staatliche Leitplanken am wenigsten greifen.“
Kern der Kritik ist die faktische Behandlung von Oral Nicotine Products (ONP) als Lebensmittel. Ein solches Produkt an lebensmittelrechtlichen Grenzwerten zu messen, führe in der Praxis zu einem Regime, das legale, qualitätsgesicherte Angebote nahezu ausschließe – und damit den gegenteiligen Effekt erziele: Konsum verschiebe sich in Grauzonen und auf den Schwarzmarkt. Dort fehlten dann Altersverifikation, Produktsicherheit, verlässliche Dosierung und nachvollziehbare Lieferketten. Gleichzeitig träten Angebote auf, die mit überzogenen Nikotinstärken und kinderaffiner Gestaltung würben. Was als Schutz vor Risiken gedacht gewesen sei, erzeuge so neue, erheblich erhöhte Risiken – insbesondere für Jugendliche und für erwachsene Konsumenten, die bewusst von der Zigarette weg in weniger schädliche Alternativen wechseln wollten.
Der Report ordnet die Evidenz nüchtern: ONP seien kein risikofreies Erzeugnis, würden jedoch – in der Gesamtschau vergleichender Quellen – als deutlich weniger schädlich als das Zigarettenrauchen eingeordnet. In Staaten, die die Relationen in ihrer Regulierung abbildeten, zeige sich schnellerer Fortschritt bei der Reduktion rauchbedingter Schäden.
Entscheidend sei dabei nicht die rhetorische Frontstellung „pro oder contra“, sondern die funktionierende Regulierung: klare Produktstandards, eindeutige Kennzeichnung, konsequente Marktaufsicht und eine Besteuerung, die den relativen Schadensunterschied zur Zigarette sichtbar mache.
Im europäischen Vergleich werde deutlich, woran es in Deutschland hakt: Andere Länder hätten präzise Produktkategorien und Positivlisten eingeführt, definierten realistische Nikotinobergrenzen und koppelten das Inverkehrbringen an Registrierung, Qualitätsnachweise und stichprobenartige Kontrolle. Sie setzten auf Altersverifizierung, flankiert von transparenten Informationspflichten für Hersteller und Händler. Andrews‘ Schlussfolgerung laute: „Regulieren – und zwar richtig“. Dazu gehörten verbindliche Produktspezifikationen, Kennzeichnung und laienverständliche Verbraucheraufklärung, 18+ mit belastbarer Altersprüfung und Absicherung durch Registrierung, Marktüberwachung, Rückruf- und Sanktionsmechanismen.
